Stadtentwicklung mit kulturellem Herzstück
Am Ort eines ehemaligen Warenhauses entstand in der niederländischen Stadt Oss das Walkwartier: ein neues urbanes Gebiet, in dem Wohnen, Einzelhandel und Gastronomie zusammenkommen. Der architektonische Masterplan wurde von Dok Architects entworfen. Innerhalb dieses Gebiets bestand der Bedarf an einem kulturellen Ort mit einer zentralen öffentlichen Rolle: Het Warenhuis.
Unter einem Dach arbeiten hier kulturelle und bildungsorientierte Organisationen zusammen, um ein vielfältiges und niedrigschwelliges Angebot für die Stadt zu schaffen. Die Bibliothek (NOBB), das Historische Informationszentrum Oss, Centrummanagement Oss, der Touristische Informationspunkt, Global Goals Oss und Hooghuis sind gemeinsam in diesem neuen Ort untergebracht.
Die Aufgabe bestand darin, diese unterschiedlichen Organisationen – jede mit eigener Identität und Arbeitsweise – innerhalb eines Gebäudes mit begrenztem Raum zusammenzuführen. Het Warenhuis sollte keine bloße Summe von Funktionen sein, sondern ein zusammenhängender Ort, der zur Begegnung, zum Lernen und zum Verweilen einlädt.

Inspiration aus der Industrie
Ist doch unlogisch!
Die Nutzer*innen von Het Warenhuis waren von Anfang an eng in den Entwurfsprozess eingebunden. In verschiedenen Workshops und durch Nutzer*innenforschung wurden ihre Wünsche, Bedürfnisse sowie ihre sozialen und funktionalen Ambitionen für Het Warenhuis erfasst. Die Ergebnisse wurden in einem Lookbook festgehalten, das Ideen, Referenzen und Zielsetzungen zusammenführte.
Das reiche industrielle Erbe von Oss spielte dabei eine wichtige Rolle. Bevor wir dieses in ein Design übersetzten, wollten wir verstehen, wie industrielle Logik und räumliche Strukturen die Wahrnehmung eines Ortes prägen und wie sich diese Vielschichtigkeit in ein zeitgenössisches Interieur übertragen lässt. Für vertiefende Recherchen reisten wir nach Deutschland. Wir besuchten ehemalige Fabrikareale, die umgebaut und umfunktioniert worden waren.
Wir kamen zu einer klaren Erkenntnis: Diese Umgebungen wurden ursprünglich für rationale Prozesse und nicht für Menschen konzipiert. Dieses Konzept führt zwar zu einer klaren Prozesslogik, aber oft auch zu einer weniger vorhersehbaren, manchmal unlogischen räumlichen Struktur – etwa zu unerwarteten Wegen, ungewöhnlichen Proportionen und scheinbar seltsamen Übergängen. Doch genau diese räumliche Unlogik erwies sich als Schlüssel zu Überraschung und Erlebnis. Deshalb haben wir sie bewusst im Innenraum von Het Warenhuis aufgegriffen.

Räumliche Geschichten
Warehouse mit Wow-Faktor
Um diese Erkenntnisse räumlich umzusetzen, entwickelten wir gemeinsam mit dem Historischen Informationszentrum Oss einen fiktiven industriellen Prozess, inspiriert von der reichen Industriegeschichte der Region. Elemente aus unterschiedlichsten Industriezweigen werden darin zusammengeführt. Von Textilien und Lebensmitteln über Logistik bis hin zu Pharmazeutika: Charakteristische Komponenten aus diesen Bereichen werden zu einem neuen Prozess verbunden. Zusammen bilden sie im Kern die Fabrik von Oss.
Das Konzept einer Fabrik erklärt Inneneinrichtungselemente wie den Ofen, die Probebäckerei, Kisten und Paletten sowie Schränke mit Rohren und Leitungen. Die charakteristische Produktionslinie der Lebensmittelindustrie, von der Anlieferung bis zum Verkauf, wurde dabei in ein räumliches Erlebnis übersetzt.
Das Ergebnis ist eine Industrial All-Inclusive Experience: ein vielschichtiges Interieur, in dem Wegeführung und Zonierung aus einem zusammenhängenden industriellen Narrativ entstehen und vielfältige Nutzungsformen ermöglichen, ohne die Offenheit des Gebäudes einzuschränken. Het Warenhuis fungiert damit als urbanes Wohnzimmer mit hohem Erlebniswert: ein Dritter Ort voller unerwarteter Ecken, Durchgänge und Blickbeziehungen. Hier entfalten sich Wege, alte Geschichten und neue Funktionen kommen zusammen und Besucher*innen werden eingeladen, zu flanieren, zu verweilen und neue Erinnerungen zu schaffen.
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