Vom Geschäftshaus zum Begegnungsort
Das ehemalige Boeckerhaus am Kennedyplatz mitten in Essen hat eine neue öffentliche Bestimmung erhalten. Wo früher vor allem eingekauft wurde, sollte nun ein inklusiver Dritter Ort entstehen: ein warmer, zugänglicher Ort, an dem sich alle willkommen fühlen. Ein Ort zum Lesen, Lernen, Arbeiten, kreativen Gestalten und für gemeinsame Aktivitäten, aber auch, um andere Menschen zu treffen, mit Bibliotheksmitarbeiter*innen ins Gespräch zu kommen oder einfach Zeit zu verbringen, ohne ein Buch ausleihen zu müssen.
includi und MVRDV, gemeinsam mit Meyer Architekten entwickelten ein Innenraumkonzept, das menschliche Begegnungen und das alltägliche Leben in der Stadt in den Mittelpunkt stellt.

Begegnung im Mittelpunkt

Nah am Menschen
Zwei Bausteine, eine gemeinsame Vision
Der Entwurfsprozess begann mit einer Reihe von Workshops mit Bibliotheksmitarbeiter*innen, in denen wir die zukünftige Identität der Zentralbibliothek Essen erkundeten. Gemeinsam entwickelten wir die Vision eines flexibel nutzbaren Dritten Ortes mit Raum für vielfältige Aktivitäten, dessen Atmosphäre die Besucher*innen selbst mitgestalten können.
Das räumliche Konzept basiert auf zwei sich ergänzenden Gestaltungsprinzipien. MVRDV entwickelte Gruppen von Bücherregalen in unterschiedlichen Rottönen, die sogenannten Mediendörfer. Diese markanten Regalgruppen strukturieren die Mediensammlung und schaffen Bereiche für unterschiedliche Aktivitäten – von lebendigen Begegnungszonen auf den unteren Etagen bis hin zu ruhigeren Bereichen für Konzentration und Rückzug auf den oberen Geschossen.
Ergänzend dazu gestaltete includi eine durchgehende Landschaft aus Sitz-, Aufenthalts- und Arbeitsbereichen entlang der Fassade. Unterschiedliche Höhen, warmes Holz und natürliche Farbtöne laden die Besucher*innen dazu ein, Platz zu nehmen, anderen zu begegnen oder einen ruhigen Moment für sich zu finden. Die Aktivitäten im Inneren sind von der Straße aus sichtbar und prägen so das Erscheinungsbild des Gebäudes zur Stadt hin.
Meyer Architekten leistete einen unverzichtbaren Beitrag zum Projekt und koordinierte als lokales Architekturbüro die Realisierung des Entwurfs.
Eine lebendige öffentliche Landschaft für die Stadt
Durch die Umgestaltung erhält das ehemalige Kaufhaus eine neue Identität als lebendiger öffentlicher Ort, an dem Medien, Menschen und städtisches Leben auf sechs Etagen zusammenkommen. Ein einladendes Café im Erdgeschoss heißt die Besucherinnen willkommen, während das zentrale Atrium die verschiedenen Geschosse miteinander verbindet. Ein eigens von MVRDV entwickeltes Leitsystem erleichtert die Orientierung im Gebäude. Unsere blauen Service- und Kontaktpunkte auf den Podesten des Atriums fördern den persönlichen Austausch mit den Bibliotheksmitarbeiterinnen.
In der gesamten Bibliothek können Besucher*innen umfangreiche Medienbestände entdecken, Bereiche für Kinder und Familien erkunden, in Makerspaces experimentieren, Musik machen oder an Workshops teilnehmen. Ruhige Lern- und Arbeitsbereiche bieten Raum für Konzentration. Im obersten Geschoss steht mit dem Stadt-Raum ein Veranstaltungsort mit Panoramablick über Essen zur Verfügung.
Gemeinsam schaffen die Mediendörfer und die aktivierte Innenfassade einen einladenden Dritten Ort, der sowohl Begegnungen als auch Ruhe und Rückzug ermöglicht. Die hölzerne Sitz- und Aufenthaltslandschaft entlang der Fassade wird zur Bühne des Alltags und macht die Menschen und Aktivitäten im Inneren für die Stadt sichtbar. Letztlich sind es die Besucher*innen, die dem Raum Farbe, Bewegung und Charakter verleihen.
Fotografie: © Daria Scagliola und Jannes Linders
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